Weisheiten

"Eines sehe ich so klar vor mir wie die Wirklichkeit, dass nämlich die Urmutter wieder erwacht und verjüngt und strahlender denn je ihren Thron besteigt. Kündigt sie der Welt an mit der Stimme des Friedens und des Segens!"
Swami Vivekananda (1863-1902)

Abb. Die große Mutter
Bild-Quelle: Die große Mutter, E. Neumann


"Wie ist ein verwirklichter Mensch?"
Mutter Meera: "Er ist im Frieden - wie ein Kind auf dem Schoß der Mutter,
wissend, dass es in jedem Augenblick von der Gnade und dem Licht
der göttlichen Mutter getragen wird."
Aus "Antworten" von Mutter Meera


Liebe,
nichts als Liebe,
verzweifelt erbetteln wir sie von unserem Liebsten.
Sie, unsere Mutter, schenkt sie uns.
Aus "Fest der Geburt" von Frederick Leboyer


Die Eine, die wir als die Mutter verehren, ist die göttliche
Bewußtseinskraft,
die alles Dasein beherrscht.
Sie ist die All-Eine und gleichzeitig so sehr die All-Viele, dass es
selbst der schnellsten
Auffassungsgabe und dem freiesten und weitesten Intellekt unmöglich ist,
ihren Bewegungen zu folgen.
Öffne ihr lieber deine Seele und gib dich damit zufrieden, sie mit
Hilfe der seelischen Natur,
die allein auf die Wahrheit direkt anspricht, zu fühlen und mit dem
seelischen Auge zu sehen.
Aus "Die Mutter" von Sri Aurobindo

Abb. Sitzende Frau

Ich bin die Erste und die Letzte.
Ich bin die Verehrte und die Verachtete.
Ich bin die Hure und die Heilige.
Ich bin die Ehefrau und die Jungfrau.
Ich bin die Mutter und die Tochter.
Ich bin die Unfruchtbare und die Mutter vieler Söhne.
Ich bin die, deren Hochzeit groß, und ich habe keinen Mann genommen.
Ich bin die Hebamme und die Nicht-Gebärende.
Ich bin der Trost meiner Wehen.
Ich bin die Braut und der Bräutigam, jene, die mein Gemahl zeugte.
Ich bin die Mutter meines Vaters und die Schwester meines Mannes,
welcher mein Nachkomme ist...
Ehret mich.
Ich bin die Verurteilung und der Freispruch.
Aus "Die Göttin" von Nag Hammadi


Die Offenbarung der Mutter der Mysterien
Ich bin die Mutter der Mysterien
Alle Orte, alle Zeiten,
Alle Jahreszeiten sind mir gleich
Ihr suchtet mich im Wind, der durch die Bäume weht
In den Blumen, die im Gras sprießen
In den Flüssen, die sich um Hügel winden
Wie das Meer bin ich sanft und ruhig
Doch grimmig bin ich wie der Donner
Die stets sich Wandelnde bin ich
Und doch unwandelbar
Ihr habt mich im Flüstern der Schatten gesucht
Und ich war da
Ihr habt mich auf den Gipfeln der Berge gesucht
Und ich war da
Alle Völker haben mich zu allen Zeiten gesucht
Und haben mich gefunden
Immer wechselhaft war mein Gesicht
Doch in der Stille der Nacht rufen sie mich
Und ich umarme sie sanft.
Aus "Wicca" von Vivianne Crowley


Ruhig und selbstbewusst
steht sie vor uns
wie eine Königin
Schlicht und bescheiden
in ihrer Würde
Erfüllt von neuer, stiller Kraft.
"Ich bin ein Berg fest und stark.
Ich bin da.
Ich trage dich.
Ich nähre dich.
Lehne dich ruhig an mich.
Ich bin die Erde,
deine Mutter.
Niemals werde ich dich im Stich lassen.

Ich bin auch das Feuer,
das du in meinen Augen siehst,
ein Feuer,
an dem du dich wärmen und freuen sollst.
Und ich bin das Wasser,
die Flut,
der ersehnte Regen,
die erfrischende Überschwemmung.
Ich bin die Brust, die dich nährt,
und das Rinnsal,
das nicht weiß, wohin es fließen soll.
Ich bin die Frau.
Ich bin das Leben."
Aus "Das Fest der Geburt" von Frederick Leboyer

Abb. Empfangende Frau

Frau gleich dem großen Adler bin ich,
Frau gleich dem Opossum bin ich,
Frau die prüft bin ich,
Frau gleich dem Jagdhund bin,
Und Frau gleich dem Wolf bin ich
Ich werde meine Macht zeigen.
Frau der Gerechtigkeit bin ich,
Frau des Gesetzes bin ich
Reine Frau bin
Frau der Gerechtigkeit,
Frau des Gesetzes bin ich.
Aus "Weisheit der Indianerfrauen"
Maria Sabina, Schamanin der Mazateka


Ein Gebet
Weigere dich abzustürzen.
Wenn du dich nicht weigern kannst,
abzustürzen, weigere dich,
unten liegen zu bleiben.
Wenn du dich nicht weigern kannst,
liegenzubleiben, erhebe dein Herz
zum Himmel wie ein hungernder
Bettler und bitte darum, dass es
gefüllt werden möge, dann wird es gefüllt werden.
Mag sein, dass du zurückgestoßen wirst.
Mag sein, dass man dich am Aufstehen hindert.
Aber niemand kann dich daran hindern,
dein Herz zum Himmel zu erheben - nur du allein.
Inmitten des größten Leids wird so vieles klar.
Wer behauptet, dass nichts Gutes
aus diesem Leid entstanden ist,
hört noch nicht genau hin.
Aus "Die Wolfsfrau" von Clarissa Pinkola Estés

Abb. Preisende Frau
Laß dich nicht gehen,
Geh selbst !


Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.
Agnes Repplier


Heute fürchte ich nichts,
heute zeige ich mich
freimütig schutzlos dem Tag
und wage, mich zu freuen,
weil ich lebe,
weil ich auf eine Art lebe,
die nur ich weiß und kann,
ein Leben unter Milliarden,
aber das meine, das etwas sagt,
was kein anderer sagen kann.
Das Einmalige eines jeden Lebens.
Es macht heiter, zu wissen,
dass jeder recht hat mit sich selbst.
Schön ist es älter zu werden,
erlöst von sich selbst,
von der gewaltigen Anstrengung
"etwas zu werden",
etwas darzustellen in dieser Welt,
gelassen sich einzufügen
irgendwo, wo gerade Platz ist
und überall man selbst zu sein
und zugleich weiter nichts
als einer von Milliarden.
Luise Rinser
Abb. Alte Frau

Es wird davon ausgegangen,
dass der Schöpfer eine männliche Person ist,
aber wir wissen das nicht,
es wird in unserer Überlieferung nicht gesagt,
ob es ein männliches oder weibliches Wesen ist.
Es heißt: der, die oder das eine,
der, die oder das uns erschuf.
Es ist ein Geheimnis.
Man sagt uns immer, dass es viele Dinge gibt,
die wir nicht wissen brauchen,
dass es unseren Kopf sprengen würde,
wenn wir alles herausfinden wollten.
Und das stimmt, nicht wahr?
Doch es ist offensichtlich für uns,
dass alles geschaffen wurde mit großer
Liebe und Mitgefühl für das,
was er oder sie schuf.
Aus "Weisheit der Indianerfrauen "
Audrey Shenondoah, Clanmutter der Onondaga


Stufen

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

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